Dienstag, 2. Februar 2016

Meine Midlife Crisis


oder: Was Du heute kannst besorgen…



Bereits seit einigen Minuten lag ich faul, grübelnd und mürrisch auf dem Sofa. Irgendwie grantig und frustriert. Keinesfalls depressiv aber auch nicht so unbeschwert wie sonst. Was war das nur? Mies gelaunt befasste ich mich mit einer internen Bestandsaufnahme. Diese Rückenschmerzen… Gehen die vielleicht auch mal wieder weg? Und wann bin ich eigentlich mal nicht müde? Ich würde sooo gerne schlafen… Mist, war Montag nicht ein Termin mit dem Controlling angesetzt? Boah, darauf habe ich ja gar keinen Bock. Und woher – verdammt noch mal – kommen plötzlich diese fünf extra Kilo auf meinen Hüften?
 

Die Erkenntnis traf mich wie ein Schlag. Ich war eine Gefangene. Gefangen in einem alten, dicken, unmotivierten Körper. Na super. War das jetzt eine Midlife Crisis? Meine Begeisterung konnte kaum größer sein. Aber die Symptome passten. Hatte ich doch in letzter Zeit durchaus öfter wehleidig-neidisch die Studenten in unserer Stadt beobachtet. Die sind zwanzig Jahre jünger als ich, voller Energie (naja manchmal) und stehen vor der Entscheidung, in welche Richtung ihr Leben denn gehen soll. Alle sind sie mehr oder weniger ahnungslos, mehr oder weniger selbstbewusst, mehr oder weniger idealistisch. So war ich auch mal. Hachja.


Fast unbemerkt bin ich also in die Krise gerutscht.

Woran merkte ich eigentlich, dass ich alt werde?

Liegt es daran, dass ich mich mittlerweile nicht mehr so ohne weiteres auf einen Job als Junior-XYZ bewerben kann, ohne dass es merkwürdig wirkt? Völlig egal, wie toll die Firma oder wie aufregend die Stellenbeschreibung sein mag?

Oder  an der Tatsache, dass alle verrückten und ausgefallenen Ideen in meiner Jugend frisch und unverbraucht wirkten. Die Kreativität zählte. Heute habe ich immer noch diese Ideen, sogar angereichert mit Erfahrungswerten aber jetzt will man von mir einen Business Plan dazu, ich soll die Umsetzbarkeit prüfen, Dienstleister briefen und Kosten sparen. Kreativität ist sekundär geworden. Ausgefallene Ideen sind in meinem Alter nicht mehr frisch, sondern verschroben.

Oder dass die Angst, plötzlich ungewollt schwanger zu werden und etwaige Zukunftsperspektiven in Gefahr zu bringen, auf einmal der Erkenntnis weicht, dass man womöglich gar kein Kind mehr bekommen wird?

 

Ok, das ist jetzt doch ein bisschen heftig. Aber ich musste den Tatsachen ins Auge sehen. Ich straffte meine Schultern und informierte meinen wunderbaren Ehemann: „Ich bin ab jetzt in der Midlife Crisis!“ Auf seinen fragenden Blick hin ergänze ich „Früher oder später kommt sie ohnehin. Ich erledige das lieber jetzt, dann habe ich es hinter mir!“ Er kennt mich und daher lächelte er nur mitleidig: „Ok, aber bitte nicht so dolle.“

 
Ich dachte also weiter nach. Sind wir doch mal ehrlich: mein Leben ist ganz schön super. Ich habe so viel Liebe und Glück in meiner Welt, dass ich mich nicht beschweren kann. Wieso sollte das Alter mir das jetzt vermiesen? Klar, vielleicht würde ich heute einen anderen Weg gehen, wenn ich entscheiden könnte. Vielleicht würde ich Instrumentenbau lernen. Oder einen tollen Freizeitsport machen, Parcours oder so. Moment, Stopp. Parcours kannte ich auch schon vor gut 12 Jahren und empfand mich bereits damals als zu ungeschickt, um mich daran zu versuchen. So war das nämlich damals.

 

Eins ist doch klar: Das Alter ist nicht der allein entscheidende Faktor.

Es ist auch die persönliche Geisteshaltung. Zeit für eine kurze Bilanz meiner eigenen Haltung.
 

Negativ:


  • ich bin zu zögerlich. War ich damals, bin ich heute. Sonst hätte ich ja zum Beispiel Parcours als Hobby gewählt. Is klar, ne?

  • Ich bin träge: von 10 neuen Ideen, die ich habe, setze ich allenfalls ein oder zwei um.

  • Ich bin teilweise undiszipliniert: vor allem, wenn es um Süßigkeiten (eher zu viel) oder Sport (eher zu wenig) geht. Manchmal halte ich es aber auch für eine ganz ordentliche Zeit durch, wie z.B. das Nichtrauchen.


Interessant. Ich bin nicht ernüchtert. Es ist nicht so schlimm wie ich dachte. An den Punkten kann ich definitiv arbeiten. Jetzt schaute ich mal rüber zur Haben-Seite.

 
Positiv:


  • Ich bin offen für Neues: Ich komme mit Veränderungen gut klar und will ständig dazu lernen. (z.B. Skizzieren, Gitarre spielen, HTML5, Dänisch,…)

  • Ich habe immer noch sooo viele Ideen. Und es gibt noch so viele Dinge, die ich tun und ausprobieren will. Offenbar ist das nicht altersabhängig. Was ein Glück!

  • Ich bin fleißiger Optimist. Fleißig, weil ich finde, Optimismus zu bewahren, bedarf häufig auch harter Arbeit. Jeder kann Sonnenschein-Optimist sein. Die Kunst besteht meines Erachtens darin, auch bei Wind und Regen obenauf zu bleiben.


Das ist doch eine ganz ansehnliche Bilanz und kein schlechter Ausgangspunkt, meine Krise in den Anfangszügen zu ersticken. Wie sagt das Lumpenpack in seinem Song "Guacamole" so schön? "Ich bin in einem Alter, in das ich niemals kommen wollte. Doch jetzt, wo ich schon mal da bin, findet Ihr mich am Buffet!" Und indem ich mir bewusst machte, was mir wichtig ist, konnte ich plötzlich auch die Motivation für notwendige Veränderungen aufbringen oder mich von gar nicht mehr so wichtigen Zielen verabschieden.

 

Was ist denn jetzt mein Ergebnis?


  1. Ich habe nach wie vor die Möglichkeit, Chancen zu ergreifen und Ideen umzusetzen. Dafür bin ich keineswegs zu alt. Ich muss nur meinen Hintern hochkriegen.

  2. Ich befinde mich jetzt in einer Phase meines Lebens, in der ich nicht will, dass meine Kleidergröße mit meinem Alter konform geht. Auf gar keinen Fall!

  3. Eben weil ich zu meinen Ideen auch mein Wissen zur Umsetzbarkeit und die Kosten-Nutzen-Analyse beisteuern kann, bin ich nun mal Senior und kein Junior. Und für Seniors gibt es auch wahnsinnig spannende Jobs (und besseres Gehalt, hehe).

  4. Ob ich jemals Kinder bekomme? Ich weiß es nicht. Es kommt, wie es kommt und wie es kommt ist es gut.

Ich wandte mich meinem wunderbaren Ehemann zu, nachdem ich fast zwei Stunden keinen Ton gesprochen hatte und gab ihm einen Kuss: „So. Ich bin fertig. Midlife Crisis ist abgehakt.“ Und weil er mich kennt, lächelt er wieder, erleichtert aber auch ein bisschen mitleidig, als ich sage „Ich muss jetzt herausfinden, wie man ein Cello baut. Ich wollte schon immer mal Cello lernen aber erst will ich wissen, wie man eins baut!“


In diesem Sinne. Lasst es Euch gut gehen. Das Leben ist lecker!
die pia

Montag, 1. Februar 2016

Blickwinkel: Hamburg

In der Serie "Blickwinkel" präsentieren wir Euch regelmäßig vier Bilder unterschiedlichster Destinationen und Perspektiven. Handverlesen für Euch von den stilosophen fotografiert und ausgewählt.


In der vergangenen Woche waren wir in Hamburg unterwegs. Und aus der norddeutschen Stadt, in der Fischbrötchen, Kiez und Hafenkante den Alltag regieren, haben wir diese vier Bilder für Euch mitgebracht:


Wer hat's erkannt? Natürlich. Es handelt sich um die großen Fahrzeugaufzüge des alten Elbtunnels, die übrigens immer noch rege genutzt werden. Gefahren werden darf allerdings nur in der Woche. Natürlich kann man auch zu Fuß hinuntergehen.

Weil's so schön war gleich noch ein Bild vom alten Elbtunnel. 426,5 m zu Fuß braucht es von den Landungsbrücken rüber nach Steinwerder. Zurück geht es am besten mit der dort anlegenden Fähre, die im Tagesticket des HVV übrigens inkludiert ist.

Eines der schönsten Eingänge in Hamburgs Speicherstadt bietet die Niederlassung von Hälssen & Lyon. Das Teegeschäft bietet Tee aus aller Welt in ihren Räumlichkeiten an. Ein florierendes Geschäft im oft kalten und verregneten Hamburg.

Blick von der Poggenmühlenbrücke. Die vom Wasser umgebene Speicherstadt gehört seit Juli 2015 zum UNESCO Welterbe. In den ehemaligen Lagerhäusern sind heute viele Geschäfte, Firmen und Künstler untergebracht.




Life is good. True story.
Euer Dominik






Freitag, 29. Januar 2016

Ich bin kein Star, lasst mich das trotzdem sehen!


Das Dschungelcamp

Kaum eine TV-Sendung polarisiert die Gesellschaft so sehr, wie das derzeit auf RTL laufende Dschungelcamp. Jedes Jahr kämpfen insolvente und meist gescheiterte Z-Promis jenseits des 22 Uhr Sendeplatzes um die Krone im australischen Dschungel, verspeisen Känguruhoden oder Buschschweinanus, trinken Emublut und lassen sich tonnenweise Kakerlaken über das Haupt kippen. Und um es vorwegzunehmen: Ja, ich schaue das Dschungelcamp. Und ja, ich gebe es auch noch zu.

Bildquelle: RTL.de


Herzhaft Lachen

Für mich ist das Gelaber zwischendurch oftmals auch sehr nervig. Was mich interessiert sind vor allem die Dschungelprüfungen. Wer schauspielert sich an seine persönlichen Grenzen, wer hat einfach keinen Bock und möchte lediglich die Gage und den vermeintlichen Ruhm einsacken, wer ekelt sich vor was fast bis zum Wein- und Schreikrampf und wer wächst über sich hinaus und meistert die Herausforderungen? Ich erwische mich des Öfteren lauthals und herzhaft lachend auf der heimischen Couch. Dass ich dabei zudem auch noch meist allein bin, lässt den Unterhaltungswert dabei sogar noch exponentiell steigen. Wer allein lauthals lacht, der lacht nicht für andere. Der lacht vor allem für sich selbst. Und das passiert mir komischerweise bei sonst keiner anderen Sendung.

Bildquelle: RTL.de

Ewig grüßt das Sozialverhalten

Natürlich kann man da jetzt analytisch rangehen. Ich schaue es deswegen so gern, weil ich Menschen in ihrer unnatürlichen Umgebung sehe, denen es meist schlechter geht, als mir selbst. Downward comparison nennt man das im Fachjargon. Vielleicht ist das ja auch so. Vielleicht ist es für mich aber auch nur eine simple Unterhaltungs-sendung, wie z.B. „Wetten, daß?“ oder „mieten, kaufen, wohnen“, die dazu auch noch botanisch mehr zu bieten hat, als „der Bachelor“ mit seinem Rose verkaufenden Pseudo-Akademiker. Für mich ist es schön, sich abends auch einfach mal sinnfrei berieseln zu lassen und sich vom stressigen Arbeitsalltag abzulenken. Und günstiger als ein Burnout-Psychotherapeut ist es nebenbei auch noch.

Alles Fake

Natürlich ist mir klar, dass auch in dieser Sendung alles gestellt sein muss. Dialoge sind grob vorformuliert, vermeintliche Diskrepanzen zwischen den Möchtergernstars vorher vermutlich abgesprochen. Das ist eben TV. Da wird nichts dem Zufall überlassen. Das ist bei der Vorberichterstattung der Fußball-Nationalmannschaft im Ersten genauso wie bei der seriös recherchierten Kultursendung auf Arte. "Dinner for one" schauen auch Millionen von Menschen an Silvester, was inhaltlich genau so viel zu bieten haben dürfte, wie "Let's Dance". Da sagt aber keiner was. Mittlerweile werden sogar Tennisspiele geschoben und man schaut sie trotzdem. Warum also nicht auch das Dschungelcamp?

NIEMALS Dschungelcamp

Bildquelle: RTL.de
Was mich aber wirklich nervt sind die Leute, die komischerweise immer über alles Bescheid wissen, die Sendung aber NIEMALS schauen würden und ihr Wissen mit dem Hinweis „habe ich in der Zeitung XY drüber gelesen“ argumentieren. Ist es etwa was anderes einen Bild- oder anderen Zeitungsartikel über das Dschungelcamp zu lesen, als es gleich selbst zu schauen? Ich wage das zu bezweifeln. Belustigend dagegen finde ich diejenigen, die zwar felsenfest behaupten, das Dschungelcamp NIEMALS zu sehen, sich gleichzeitig aber beim Mittagsplausch in der Unternehmens-Kantine regelrecht auf die Lippe beißen müssen, um sich nicht zu verraten.

 


Ich bin ein Mensch, bin ich tolerant?

Leute, Leute, macht es Euch doch nicht so schwer. Wenn ihr Euch das Dschungeldesaster anschauen möchtet – tut das doch einfach. Aber steht doch bitte dazu. Letztens hat beim Rauswahl-Voting sogar ein waschechter Professor den 5.000 Euro Gewinn in der Sendung abgesahnt. Das heißt, er muss sogar für eines der Sternchen dort angerufen haben. Vielleicht war das aber auch Daniel Ortega (musste den Nachnamen gerade erst mal googeln, um ihn nicht falsch zu schreiben, den kennt ja keiner), der sich für etwas besseres hält. So what? Und wenn ihr es nicht schauen wollt und Euch lieber einen Drogen vertickenden Chemielehrer reinziehen wollt, dann lasst es einfach sein. Ich bin da durchaus tolerant. Aber seid ihr es doch bitte auch.






Übrigens kann ich das Staffelfinale kaum erwarten. Denn dann komme ich abends nämlich endlich wieder früher ins Bett. In diesem Sinne schreie ich es jetzt einfach heraus: Ich bin kein Star, holt mich trotzdem hier raus!

Life is good. True story.
Euer Dominik

 

Donnerstag, 28. Januar 2016

Anti-Gadgets - Dinge, die die Welt nicht braucht


Wir kennen sie doch alle. Diese kuriosen Angebote, die uns fast täglich per Reklame ins Haus flattern oder per Newsletter, zu dem man sich wahrscheinlich nie angemeldet hat, die Mailbox voll spammen. Was damit machen? Das einfachste wäre sicherlich, diese ungelesen zu löschen, was mir aber zu gewöhnlich erscheint. Vielmehr möchte ich diese teilweise doch sehr absurd anmutenden Offerten in einem regelmäßigen Trash-Newsletter entsprechend huldigen. Diesen dürft ihr danach übrigens getrost löschen.
Hier kommen sie also. Die schrägsten Anti-Gadgets in diesem Monat:


Fusselrasierer


Der Körperwahn erreicht nun auch die Klamotten. Perwoll gewaschen war gestern. Heute kleidet man sich Aalglatt. Der Fusselrasierer geht dem Pelz an den Kragen. Ich kann sie schon hören, die "Pro Fussel - stoppt Rasurbrand an Schafswollpullis" argumentierenden Naturisten.




Beheizbarer Schal

Unterkühlte Nordlichter werden ihn lieben: Den beheizbaren Schal, der bestimmt nicht nur bei steifer Brise, sondern auch bei steifem Hals seine Halsabschneider unter Strom setzen wird. Da bekommt sicher auch das Branding bald einen zweiten Frühling. Kaufst Du? Nö. Kauf isch dem nisch.



Gesehen auf: kaufst-du.de
http://www.kaufstdu.com/Schal

 

Multifunktions-Schrittzähler


Das ist nicht Euer ernst. Doch ist es. Ein Schrittzähler. Und er wird auch noch als Multifunktions-Schrittzähler angepriesen, der nicht nur Schrittmengen, sondern auch noch Entfernung und Kalorien misst. Unfassbar. Das klingt doch gleich gar nicht mehr so antiquiert, oder? Also schmeißt Eure Smartphones, Apple Watches und GPS-Tracker einfach in den Restmüll und greift nach dem Vorgestern aus Vollplastik. Ich finde: Dafür ist selbst Erdöl zu schade.








Gefunden auf lesara.de:  https://www.lesara.de/multifunktions-schrittzaehler-117319.html?utm_source=weltderrabatte&utm_medium=aff&utm_content=&utm_campaign=soquero


SWAT-Training

Du warst Zivi? Du möchtest mal eine richtig große Wumme in der Hand halten? Dann ab zum SWAT-Training. Von handlicher Handgranate, Stürmung eines imaginären Drogenlabors bis hin zur Vernichtung einer tickenden Atombombe in aller letzter Sekunde, hier ist sicher alles möglich. Nicht nur für die Füße, sondern auch für Freizeit-Masochisten, die in ihrer Kindheit zu viel Rambo geguckt haben.



Gesehen auf Daily Deal: http://swat.pts-agency.eu/

 

Habt auch ihr kopfschüttelnd kuriose Angebote entdeckt, die ihr der Nachwelt nicht vorenthalten möchtet? Schickt sie mir an: dominik@stilosophen.de  

Life is good. True story.
Euer Dominik

Sonntag, 17. Januar 2016

Blickwinkel: Marrakesch

In der neuen Serie "Blickwinkel" präsentieren wir Euch regelmäßig vier Bilder unterschiedlichster Destinationen und Perspektiven. Handverlesen von den stilosophen für Euch fotografiert und ausgewählt.


Als erste Destination geht es heute nach Marokko. Genauer gesagt nach Marrakesch.
Aus der "Perle des Südens", wie Marrakesch auch genannt wird, haben wir diese vier Fotos für Euch mitgebracht:


Der wunderschöne, 1980 von Yves Saint Laurent gekaufte Jardin Majorelle ist seit 1947 öffentlich zugänglich. Nach seinem Abschied aus der Mode hat er ihn oft als Rückzugsort genutzt. Auch seine Asche wurde hier im Rosengarten verstreut.


Spielende Kids in der Altstadt, die ringsum von einer alten Mauer umrandet ist. Hier treffen
wahre Welten aufeinander. Der westliche, moderne Stadtteil und der alte, pulsierende Souk.
Blick in einer der zahlreichen Riads. Die kleinen Hotels mitten in der Altstadt sind oft wahre Schmuckstücke. Wer sich dem Chaos des Souks entziehen möchte, genießt hier Ruheoasen. In vielen Riads sind zudem leckere Restaurants untergebracht.
Der Souk, das Herz Marrakeschs. Hier pulsiert das Leben. Es wird gehandelt und gefeilscht.
Wer sich hier nicht verirrt, ist nie richtig da gewesen. Aber keine Sorge. Man findet trotzdem
irgendwie immer wieder zum größten Platz Marrakeschs, dem Djeemna El Fna, zurück.


Life is good. True story.
Euer Dominik

Freitag, 8. Januar 2016

Was esse ich denn jetzt?




Die ewige Gewissensfrage




Gleich vorneweg: JA! Ich mag es, zu essen. Und ich liebe es, gut zu essen. Dabei respektiere und bewundere ich all diejenigen, die gekonnt, bewusst und kulinarisch kunstvoll mit Nahrungsmitteln umgehen und umso mehr ist meine Toleranz gefragt, wenn es darum geht, das werktägliche Kantinenessen zu würdigen.


Wenn ich kann, koche ich in meiner Freizeit selbst und seitdem die Stilosophen gemeinsam mit ein paar Freunden einen fleischlosen Monat eingelegt haben, achte ich noch bewusster auf die Herkunft meiner Lebensmittel. Nun bin ich da ja kein Vorreiter sondern mache im Kleinen, was viel bekanntere Menschen bereits seit längerem tun und auch davon berichten. Angefangen damit, vornehmlich saisonale und regionale Produkte zu verarbeiten. Selbst mir ist klar, dass eine Zwiebel aus Südafrika inklusive Transport schädlicher für die CO2-Bilanz ist als eine vom ortsansässigen Bauern. Also schaue ich schon mal genau hin, wo’s herkommt. Und dass man sich auf den Begriff „Bio“ ohnehin nicht verlassen kann, hat sich sogar bis zu mir herumgesprochen. Deswegen versuche ich wo es geht, meine Produkte direkt vom Erzeuger zu bekommen.



Ich gebe zu, ich habe Glück, denn ich wohne außerhalb, etwa 10 Minuten von der Stadt entfernt, in einem kleinen Dorf mit allen entsprechenden Vorteilen, wie Öko-Bauern, Hofläden und einem großen eigenen Garten mit fruchtbarer Erde. Für mich bedeutet das: Eier von freilaufenden Hühnern, Käse von glücklichen Kühen und eine Auswahl an Äpfeln, Erdbeeren und Salat sowie Kürbis, Tomaten und Himbeeren aus eigenem Anbau in Hülle und Fülle. 

Dennoch muss ich auch einem Rückschlag berichten, nämlich dem Besuch beim benachbarten Bauern, um dort mein Fleisch zu kaufen. Statt den Hofladen zu finden verirrte ich mich zwischen die Freigehege der Tiere und konnte mir alles in Ruhe ansehen. So weit das Auge reichte, liefen die unverarbeiteten Objekte meiner Fleischeslust zufrieden auf großzügigen Flächen umher und freuten sich über den unerwarteten Besuch. Und so kam es, dass niedliche Mangalitza-Wollschwein-Ferkelchen wedelnd (!) an den Zaun gelaufen kamen, um sich von mir kraulen zu lassen. Damit war für mich die Entscheidung gefallen. Keines dieser zutraulichen Tiere sollte auf meinem Teller landen!



Diese kleinen Kameraden sollten nicht für mich zum Steak werden
Gleichzeitig ärgerte ich mich über mich selbst, denn erstens wusste ich ja, dass mein Nackensteak aus einem dieser Tiere geschnitten wurde und zweitens bestrafte ich mit meinem Verhalten auch noch den armen Bauern, der gegen den Preisdruck und die Industrialisierung ankämpft, um den Tieren ein würdiges Leben zu ermöglichen und dabei hohe Qualität zu liefern. Irgendwas war also falsch und ich gestand mir ein, dass ich als ehemaliges Stadtkind offenbar schon so entartet bin, dass es mir schwerfällt, zu akzeptieren, dass dem Steak nun mal die Tötung vorausgeht.



Das war sie also, meine Gewissensfrage: Was esse ich denn jetzt? An diesem Tag blieb ich vegetarisch. Zerknirscht bin ich nach Hause gestiefelt und habe Salat gemacht.


Es ist nicht so, dass ich damals zur Vegetarierin wurde. Aber ich beginne umzudenken. Mein Fleisch kaufe ich erst, nachdem ich mir noch mal die kleinen Ferkelknopfaugen bewusst gemacht habe. Ich weiß, dass die Tiere beim Bauern meiner Wahl ein gutes Leben hatten, bevor sie als Nahrung für mich dienen und möchte manchmal gar nicht so genau wissen, welches Leid einem Discounter-Hackfleisch-Tier angetan wurde, bevor ich daraus schnöde Spaghetti Bolo fabrizierte. Diese Zeiten sind für mich endgültig vorbei. Wenn ich Fleisch esse, dann kaufe ich es dort, wo ich weiß, dass das Tier respektvoll und artgerecht aufgezogen wurde. Und ich entdecke neue Arten zu kochen, andere Zutaten und Gewürze, die ich bisher noch nicht kannte. Ich bin also Flexitarier geworden und bin damit sehr glücklich. Hinter diesem Modebegriff verbirgt sich ganz Banales und Althergebrachtes, nämlich einfach mehr Gemüse und eher selten, dafür aber bewusst gutes Fleisch zu essen. Mangalitza-Fleisch werde ich aber wohl niemals probieren. Dazu waren die kleinen Kerle einfach zu niedlich.


Für alle, die sich überlegen, heute mal fleischfrei zu bleiben, habe ich ein kleines Rezept , welches in der kalten Jahreszeit die Seele wärmt

Sesam--Möhren-Suppe
Zutaten für 4 Personen:

1 Zwiebel
1–2 Knoblauchzehen
225 g Möhren
125 g Kartoffeln
1 Stück (ca. 1 cm) Ingwerwurzel
2–3 EL Olivenöl
2 mittelgroße Tomaten oder eine große Fleischtomate
Salz
Pfeffer
1 Prise Zucker
1 EL Tomatenmark
1 Dose Kokosmilch
750 ml Gemüsebrühe
4-5 EL Tahini (helle Sesampaste)
2 EL griechischer Joghurt
1-2 EL Sesamsamen
1 kleine frische Chili (nach Geschmack)
Basilikum zum Garnieren

Zubereitung:
  1. Zwiebel schälen und fein würfeln. Knoblauch schälen und fein hacken. Möhren und Kartoffeln schälen und fein würfeln. Ingwer schälen (ich finde, das geht am besten mit einem Teelöffel) und fein reiben.
  2. Öl in einem großen Topf erhitzen, Zwiebel darin glasig dünsten. Kartoffeln, Möhren, Knoblauch und Ingwer hinzufügen und unter gelegentlichem Wenden bei schwacher bis mittlerer Hitze 4-5 Minuten dünsten.
  3. Inzwischen Tomaten waschen, putzen und fein würfeln. Tomaten zufügen, kurz mitdünsten und mit Salz, Pfeffer und Zucker würzen. Tomatenmark unterrühren und kurz anschwitzen.
  4. Mit Brühe und Kokosmilch ablöschen, Tahini hinzufügen. Danach aufkochen und zugedeckt ca. 15 Minuten garen. Joghurt unterrühren. Sesam in einer heißen Pfanne ohne Fett kurz anrösten und vom Herd nehmen, damit die Samen nicht zu dunkel werden. Chilischote waschen, entkernen und in kleine Streifen schneiden.
  5. Suppe von der Herdplatte nehmen und mit einem Pürierstab fein pürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, in Schalen anrichten und mit Sesam,Chili und Basilikum garnieren.

Lasst es Euch schmecken und wer wissen will, ob er einen Direktvermarkter in seiner Nähe hat, dem hilft www.hofladen-bauernladen.info. Ganz besonders empfehlen möchte ich Euch Bauer Mann, bei dem ich mich von der artgerechten Haltung der Tiere überzeugen konnte. Bauer Mann verkauft unter anderem auch freitags und samstags in der Kleinmarkthalle Frankfurt. Schaut ruhig mal vorbei.

In diesem Sinne. Lasst es Euch gut gehen. Das Leben ist lecker!!!

die pia

Dienstag, 5. Januar 2016

"Anders" - das etwas andere Buch

Es gibt selten Bücher, die mir so gefallen, dass ich sie anderen Leute überhaupt weiter empfehle. Noch seltener gibt es aber Bücher, die mich so faszinieren und in ihren Bann ziehen, dass ich sogar in einem Blog darüber berichten möchte. Es ist kein Krimi, kein Thriller, keine Horrorlektüre oder gar Liebesschnulze. Es ist anders. Und "Anders" heißt es auch.

Vielleicht aber zu Beginn erst Mal ein paar Worte zu seinem äußeren Erscheinungsbild. Das Buch gibt es neben dem Hörbuch und der digitalen Version nur in der gebundenen Variante. Dafür ist es aber umso schöner aufgemacht. Auf dem in mattweißem Umweltpapier hergestellten Schutzumschlag und dem darunter liegenden Buch ansich sind Buchtitel und Verlagslogo auf Vorderseite und Buchrücken mit einer goldenen Folie heißkaschiert und tiefgeprägt. Auf dem Schutzumschlag sind zusätzliche Texte sowie die angeschnittene Zeichung auf dem Titel in Schwarz-Weiß gehalten. Es ist dezent aber sehr schön gestaltet und dazu auch noch mit sehr viel Liebe zum Detail produziert.

 
Nicht nur optisch und haptisch ein Vergnügen, sondern auch inhaltlich
ein Knaller: Die gebundene Ausgabe von "Anders".


"Anders" erzählt die Geschichte von Felix Winter, der durch - zugeben etwas kuriose Weise - einen Unfall 263 Tage lang im Koma liegt. Zufällig ist es auch noch genau die Anzahl an Tagen, die seine Mutter mit ihm schwanger war. Aber das soll hier nur nebenbei erwähnt sein und ist nur ein kleines Detail dieser Geschichte. Der Junge erwacht eines Tages aus seinem Koma, aber nichts ist mehr, wie es vorher war. Zumindest für ihn, denn an sein Leben vorher hat er keinerlei Erinnerungen mehr. Hinzu kommt, dass es da jemanden gibt, der alles dafür tun wird, dass es auch so bleibt. Und so nennt sich Felix deshalb von da an auch einfach "Anders". 

Das Buch ist bierernst, aber auch abgrundtief witzig zugleich und ursprünglich für Jugendliche zwischen 12 und 15 geschrieben. Man findet es im Buchhandel zwar unter den Jugendbüchern, ich finde aber, dass dies mindestens auch ein Buch für Erwachsene ist. Es ist toll geschrieben, liest sich leicht und es gibt immer wieder poetisch-philosophisch anmutende Stellen, die aber niemals verkopft wirken und jederzeit veständlich bleiben. Während des Lesens entfuhr mir häufiger mal ein "hach" und "seufz" und ich habe bestimmt 10 Mal laut gedacht "Ist das ein tolles Buch.". Ständig habe ich mich dazu ermahnt, jedes Wort bewußter zu lesen, als ich es sonst machen würde, wenn man einfach wie gewohnt ein Buch vor sich hin liest. Es ist nicht nur die Geschichte an sich, die ab einem gewissen Zeitpunkt zwar klarer, aber im vorhinein nie wirklich auflösbar wird, bevor es zum Ende kommt. Es sind vielmehr die verschiedenen, teilweise auch mal mystisch anmutenden Elemente aus Schreibstil, Personen, Orte und deren Beschreibungen, die einen völlig vereinnahmen.

Ich will hier nicht zu viel verraten und kann es nur demjenigen sehr ans Herz legen, der etwas Besonderes lesen oder einem anderen eine Freude machen möchte. Oder aber einfach mal für eine gewisse Zeit dem Alltag entfliehen und sich entführen lassen möchte in ein Buch voll magischer Menschlichkeit. Einziges Manko: Es ist viel zu schnell zu Ende. 

Der Autor

Vielleicht kennen die ein oder anderen Andreas Steinhöfel schon von seinem Roman "Die Mitte der Welt", das bereits 1998 erschienen ist, sehr erfolgreich war und ist. In Wikipedia heißt es über die Person Andreas Steinhöfel weiter ...

"
... Andreas Steinhöfel wuchs mit zwei Brüdern in der mittelhessichn Kleinstadt Biedenkopf auf. Er begann zunächst Biologie und Englisch auf Lehramt zu studieren, entschied sich dann aber nach einem langen Schulpraktikum für ein Magister-Studium der Anglistik, Amerikanistik und Medienwissenschaften an der Universität Marburg. Er war fünf Jahre lang Mitglied der English Drama Group des Fachbereichs Anglistik. Nach Abschluss des Studiums erschien 1991 sein erstes Jugendbuch Dirk und ich. Zu seinen bekanntesten Büchern zählt Paul Vier und die Schröders (1992), das mittlerweile zur Standardlektüre in deutschen Schulen zählt. Die Verfilmung des Buches gewann 1995 den Deutschen Kinderfilmpreis. Bei Jugendlichen ist vor allem sein Roman Die Mitte der Welt beliebt, der unter anderem für den Deutschen Jugendliteraturpreis 1999 nominiert war, ebenso wie sein Buch Defender – Geschichten aus der Mitte der Welt. ..."

 

Die weiteren Fakten zum Buch

- Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
- Preis: 16,90 Euro
- Verlag: Königskinder (21. Oktober 2014)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3551560064
- ISBN-13: 978-3551560063
- Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 - 15 Jahre
- Größe und/oder Gewicht: 15 x 2,6 x 21 cm 
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 13.794 in Bücher


Zuguter Letzt

Das Buch gibt es übrigens auch als Hörbuch, ich empfehle jedoch das Buch selbst zu lesen, da es doch noch mal was "anderes" ist. Für alle aber, die eine kleine Hörprobe eigens vom Autor selbst gelesen aus dem gleichnamigen Hörbuch haben möchten, hier der Link auf YouTube.

Life is good. True story.
Euer Dominik